kölner stadtanzeiger

artikel vom 03.mai 2001

frauen nicht verkleiden

modedesignerin aus düsseldorf ist auf dem weg nach oben / von dieter sparrer

auf dem weg nach oben: in loser folge stellen wir menschen vor, die – tatsächlich oder übertragen – nach höherem streben, in karriere oder privatleben.

die frau selber ist wichtig. ich will sie nicht verkleiden. sie muss zu sich stehen, nicht von sich ablenken”, sagt sabine schumacher. sie will selbstbewusste frauen anziehen – dabei denkt sie wohl auch an sich. denn sie weiß, was sie will, und hat damit auch schon viel erreicht. immerhin mischt sie bereits in paris mit, da, wo sie modeschöpfer sich beweisen müssen. inzwischen kann man ihre kollektion – streng, sachlich, mit einem hauch von luxus – in antwerpen und wien, in new york und nizza, in dublin und chicago kaufen. schwarze hose, schwarzer rollkragenpullover, die dunkelbraunen haare hinten zusammengebunden – fertig ist die modedesignerin mit eigener firma. sich selber verrückt anziehen? nee, keine zeit. “im moment beschränkt sich mein leben auf arbeit.” ja, das müsse man ernst sehen, aber nicht zu ernst nehmen. vor allem: nicht verkrampfen. gut gesagt, doch arbeit und anspannung vor der modenschau in paris haben an dem schmalen körper gezehrt: größe 36. “das wird sich bald wieder ändern. eigentlich habe ich 38.” damit liegt sie im mittelfeld ihrer kundschaft, die größen 36 bis 40 werden am meisten verlangt. zugeschnitten und genäht wird bis größe 44. sabine schumacher sitzt mit ihrer firma im creativ-haus in düsseldorf. ihr großflächiges atelier ist das lehrerzimmer einer ehemaligen knabenschule. am anfang gab es in dem 155 quadratmeter großem raum nur ein klassenzimmer mit einem tisch und einer nähmaschine. das hat sich geändert: an der einen seite der winter , an der anderen der sommer und in der mitte eine menge modelle aus braunem papier – die schnittmuster. ein riesiger zuschneidetisch, eine große bügelmaschine, eine holzpuppe mit beweglicher büste und stoffe, stoffe, stoffe – helle, dunkle, kostbare und leichte. drei mitarbeiterinnen komplettieren inzwischen die werkstatt fürs modische outfit moderner frauen. sabine schumacher ist gerade 30 geworden und kann schon stolz auf einige preise hinweisen, die sie einheimsen konnte. kaum hatte sie 1993 in der modeschule düsseldorf angefangen, da wurde sie schon zum ersten mal ausgezeichnet, vom herrenmode-institut köln. drei jahre später, nach dem studium, gewann sie mit einer kleinen sommerkollektion den nrw-wettbewerb. von da an ging’s bergauf. seit 1997 präsentiert sabine schumacher ihre mode auf der düsseldorfer messe, der cpd, die früher igedo hieß. zweimal, ohne ein stück zu verkaufen. “na klasse”, hat sie da gedacht, “alle gucken, aber keiner will was haben.” die verluste hielten sich in grenzen, weil die ersten drei messen gesponsert wurden. doch dann stand sie auf eigenen füßen, und zwar ziemlich fest. das auftragsbuch füllte sich. und dann die einladung nach paris. als zahlender gast zunächst also 15 000 mark unkosten. es hat sich gelohnt. “tierisch gute kontakte, gute resonanz.” im januar endlich die erste eigene modenschau in paris. “ist schon ein komisches gefühl. schließlich kannte mich doch kein in paris.” das änderte sich schlagartig. sabine schumacher hat sich ganz schnell einen namen gemacht – inzwischen weltweit. die junge firmenchefin ist seit drei jahren verheiratet. ihr mann ist architekt “und mein sekretär”. sabine schumacher lacht. das hört auch klein-greta gern. sie ist zweieinhalb jahre alt und eine perfekte assistentin in der aktiven, kreativen firma – sie fegt leidenschaftlich gern stoffabfälle auf, besonders die glitzernden aus italien. und dann fährt sie mit mami zurück nach wesel am niederrhein, wo ihr zuhause ist.