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heimspiel für kreise und quadratesabine schumacher zeigt klare mode / von susanne kusickedüsseldorf, 4 februar. eine dicke plastikfolie schützt das blütenweiß
des laufstegs. die models laufen barfuß und sind ungeschminkt. die zuschauertribühnen leer. im schein der lampe unterm mischpult sitzt der choreograph und nuschelt monoton anweisungen ins mikrofon.... im dunkeln hocken die
designer. sie starren auf ihre nähte und säume: soviel muß noch gerichtet werden in der nacht zum samstag. einige models tragen die teile auf bügeln und in bademänteln vor sich her. andere kollektion sind komplett fertig, hängen
backstage bereit für die gemeinschaftsmodenschau der jungen designer..... sabine schumacher sitzt auf der bank am laufstegende. blaß, mit tiefen ringen um die augen, ungekämmt, erledigt – aber fertig. sie kann in aller
lampenfieber-ruhe die arbeiten der anderen betrachten. ein bodenlanges kleid aus theaterfedern rauscht vorbei, und sie beginnt zu quieken. “ich liebe anett röstel”. sabine schumacher zieht das “i” in die länge, juchzt und lacht. “
sie ist so wunderbar theatralisch.” noch eine reiche robe, ein paar wilde röcke, und sie klatscht unwillkürlich in die hände: freude über den erfolg einer freundin, mit der sie zwei jahre im creativhaus düsseldorf lebte, einer zu
ateliers umgebauten schule, die die igedo für den nachwuchs zur verfügung stellte. und respekt vor einer mode, wie sie selbst sie nie im leben machen würde. “ ich habe schon während meiner schneiderlehre immer die knöpfe bezogen,
damit sie sich nur ja nicht vom stoff abheben. heute verzichtet sie am liebsten ganz auf solche zierart, wirken sollen material und form. was ihr gelingt, ist selten: gefühl und intellekt zu verbinden, streng konzeptionell zu
arbeiten und doch etwas unmittelbar einleuchtendes zu erzeugen. die grundformen sind quadrat und oval. das quadrat findet sich überall wieder: im groben muster der dochtgarne, die in leinwandbindung verwoben sind – “eins drüber,
eins drunter, die simpelste materialstruktur, die es gibt”. in der form der eingestickten pailletten. in der prägung der lederjacken. oval sind passen und eingrifftaschen, seitenschlitze und einsätze, paspeln und mulden. die farben
der kollektion – gold, braun, blau, grau, schwarz, gelb und silber – finden sich allesamt im boucle der schlußbildes wieder. eine art von restverwertung, die die sache, man möchte sagen, rund macht. ungefähr fünf jahre, so heißt es
in der branche, braucht ein begabter designer, um sich zu etablieren. sabine schumacher hat es in drei jahren geschafft. nach dem abschluß an der modeschule düsseldorf gründete sie 1997 ihr eigenes label und zog ins kreativhaus.
seit einem jahr, so sagt sie, “läuft der laden”. sie kann das atelier und die messeauftritte finanzieren und vom verkauf ihrer kollektionen leben. und der druck wächst. “ je bekannter man wird, desto höher die erwartungen. vor
allem die, die ich an mich selbst stelle. jede kollektion muß besser werden als die davor, und einen bestimmten umsatz muß ich mittlerweile auch erzielen, damit alles weitergehen kann. wenn man da eine förderung bekommt oder einen
sponsor gewinnt, ist es wie ein geschenk des himmels.” geschenkt bekam die düsseldorferin die teilnahme an der pariser modemesse. dort kostet ein stand pro quadratmeter um 750 mark, von den preisen für die models möchte man am
liebsten gar nicht reden. sie ist nicht die erste deutsche, aber sie ist die erste, deren auftritt die galerie lafayette gesponsort haben. in paris beginnt man sich wieder für deutsche designer zu interessieren: sie gelten als
zuverlässig und genau, die gradlinigkeit der derzeitigen mode kommt ihnen entgegen. auch ein neues deutsches “fräuleinwunder”, blond und blauäugig wie claudia schiffer, stakste bei den schauen ende januar unsicher und mit
angestrengtem ausdruck im gesicht über die pariser laufstege. sabine schumacher fuhr ihre kleine kollektion mit dem auto zur wichtigsten modenschau ihrer karriere. “als es losging, dachte ich, ich falle um; mein herz schlug so
stark, daß man es durch die bluse sehen konnte.” als es zu ende war, hatte sie neue liefervereinbarungen mit exclusiven boutiquen in deutschland, rußland, belgien und amerika abgeschlossen; nun wird ihre mode auch auf der fifth
avenue in new york verkauft. weniger nervös ist sie deshalb vor der schau im heimischen düsseldorf, “in den guten, alten hallen”, wie sei die messebauten nennt, noch lange nicht. raucht in einer tour. springt von satz
zu satz, von thema zu thema. daß hohe absätze wieder in sind, ja, das war ein echter “break”, und ins fotostudio muß sie auch noch mal. ein outfit fehlt noch, und wenn das vorbei ist, macht sie eine kur. paßt die musik zum auftritt
oder nicht? fragen über fragen, panik im blick. eine durchnähte nacht später wird die plastikfolie weggezogen, und das programm rollt unaufhaltsam auf die wahrheit zu. eins, zwei, drei, vier, fünf, acht aufzüge, und sie hat es
überstanden. der boucle-anzug zum schluß wird spontan und lang beklatscht, für eine sekunde läßt sich die designerin auf dem laufsteg blicken, groß und dünn wie ihre models. hinter der bühne wartet die familie. eltern, tanten und
ihr mann, nur ihre kleine tochter ist zu haus geblieben. jetzt wird gefeiert. “schön wenn man ein heimspiel hat”, ruft sabine schumacher, winkt und verschwindet im getümmel. |
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